Was wir im ersten Teil unserer Reise in den Bayrischen Voralpen und dem Karwendelgebirge erlebt haben, erfahrt ihr hier.
Wie es jegliche Aktivitäten, die mit irgendeiner Form von Pause und Ausruhen zu tun haben, so an sich haben, ging auch unser wunderschöner Pausentag auf dem gemütlichen Hallerangerhaus dank guter Gespräche mit Hüttenwirt Thomas und Aushilfe Laura und stapelweise Bergsteiger-Magazinen viel zu schnell vorbei und am nächsten Tag erinnerte uns unser Wecker schon zu früher Stunde daran: "Hallo, heute müsst ihr weiter!" Etwas Eile war dann tatsächlich geboten, denn nachdem Jörns Wanderhose nach einem Ausrutscher auf dem Geröllfeld erst ein kleineres Loch, das sich dann zu einem 20 Zentimeter langen Riss ausdehnte, vorzuweisen hatte und wir außerdem unser Kamera-Ladegerät verbummelt hatten, musste noch genügend Zeitvorsprung für eine kleine Shoppingtour in Hall übrig bleiben. Dank kurzem Sprint über die ersten Höhenmeter des Tages hoch zur Scharte kurz hinter dem Hallerangerhaus und einem erneuten Downhill-Jogging-Trip die Schotterwege auf der anderen Seite hinunter klappte das auch tatsächlich. Jetzt wussten wir auch, wie man die Zeiten im Wanderführer erreichen kann: Einfach mal rennen! Es kam, wie es kommen musste. Angekommen an der Bushaltestelle, an der der Bus uns nach Hall hinein hätte bringen sollten, stellten wir fest: Der Bus kommt immer zu vollen Stunde. Nur nicht um 11. Es war Punkt 11. Willkommen in der Zivilisation. Nachdem wir uns zu Fuß Richtung Haller Innenstadt aufgemacht und schon fast unseren Glauben in das Gute im Menschen verloren hatten, reagierte dann doch ein netter Österreicher auf unsere Anhalter-Versuche und nahm uns das letzte Stück des Weges bis in die Stadt mit.
Hall ist ein wirklich süßes Städtchen in der Nähe von Innsbruck mit malerischer Altstadt, kleinen Gässchen und toller Atmosphäre. Ein passendes Ladegerät für die Videokamera zu finden, gelang uns leider nicht (an dieser Stelle ein Dank an Panasonic, dass ausnahmlos keins der angebotenen Universalladegeräte passte - suuuuper!), aber eine Hose für Jörn konnten wir ergattern. Der unfassbar nette Besitzer Heinz von xxxxx konnte mit Blick auf Jörns Schuhe und dessen Blasen dann vermutlich aus Gewissensgründen und weil er einfach ein sehr netter Mensch ist, nicht anders, als dieses Problem kurzerhand zu beheben. Fix an den Einlagen von Jörns Schuhen herumgeschnipselt, mit nagelneuen Scarpa-Einlagen ausgestattet und schon war ein ganz neues Fuß-Gefühl da. Was er dafür bekomme? Gar nichts. Wow! (Eins hat er doch bekommen: Nämlich eine Postkarte aus Venedig, die es uns angesichts dieser Wahnsinns-Freundlichkeit mehr als wert war.)
Aus Hall ging es dann mit dem Bus nach Tulfes und mit dem Sessellift hoch zum Beginn des Weges zur Glungezer Hütte. Mooooooment, werdet ihr jetzt sagen. Bus? Lift? Hallo?
Dazu kurz eine kleine Grundsatzentscheidung der Prä-Alpenüberquerungs-Überlegungen: Ja, wir wollten alles laufen. An einigen Stellen machte das aber schlicht und einfach keinen Sinn, so wie hier. Um Bus und Lift zu vermeiden, hätten wir einen zusätzlichen Tag einplanen und an diesem über 2000 Höhenmeter ausschließlich auf Forstwegen zurücklegen müssen. Das war für uns nicht der Sinn unserer Tour und auch der Wanderführer sah in der Normalroute explizit Bus und Lift vor. Das war auf der gesamten Tour insgesamt drei Mal der Fall und an diesen Stellen sind wir den Empfehlungen des Wanderführers auch gefolgt. Einfach mit der Bahn gefahren, weil wir zu faul waren, sind wir allerdings nie!
Ein schönes Detail an dieser Stelle (wieder einen herzlichen Dank an die Präzision des Wanderführers) war auch, dass der Sessellift im Buch als "Bahn" bezeichnet war. Bahn = Seilbahn dachten wir uns und freuten uns auf eine gemütliche Fahrt. Tatsächlich waren die "Bahn" ein 2er- und ein 1er-Sessellift, gefühltes Baujahr 1957, die uns eher klapprig und zuletzt durch dichten Nebel nach oben brachten. Für alle Höhenangst-Geplagten in unserer kleinen Wandergruppe also eher ein zweifelhaftes Vergnügen. Von der Bergstation ging es dann nochmal knackige 600 Höhenmeter nach oben. Wie so oft bei Regen (den wir auf unserer Tour zum Glück überhaupt nicht oft hatten) galt auch hier: Eigentlich ein sehr sehr schöner Weg - wäre da nicht der dichte Nebel gewesen, der den halben Berg verschluckte und uns und sämtliche Klamotten so wunderschön klamm werden ließ. Zum Glück hatten wir dann doch relativ bald die toll gelegene Glungezer Hütte auf 2610 Metern erreicht.
So schön und gemütlich die urige Hütte, die mit ihrer nepalesischen Dekoration und den farbenfrohen Gebäuden irgendwie auch gut ins Himalaya-Gebirge gepasst hätte, so unfreundlich und völlig daneben der Hüttenwirt Gottfried. Für einen Liter normales Trinkwasser 3 Euro zu verlangen (angeblich! war das Wasser auf der Hütte nicht trinkbar, was wir bezweifelten, aber nicht ausprobieren wollten), wenn man weiß, dass es auf der achtstündigen Tour am nächsten Tag keine Wasserauffüllmöglichkeit gibt, ist nichts als Wucher und Abzocke. Auch die Einteilung der Gäste in verschiedene Klassen - je nach dem, wie viel man fürs Essen bezahlen konnte oder wollte - war jenseits des guten Geschmacks. Wer die teure Halbpension buchte, wurde außerordentlich freundlich behandelt. Wer wie wir "nur" das Bergsteigeressen für immerhin auch 10 Euro pro Person nahm und statt mehreren Flaschen Wein (wie der plötzlich wärmstens umsorgte Gast am Tisch gegenüber) nur ein oder zwei Radler trank, wurde immerhin noch wahrgenommen. Wer aber die Dreistigkeit besaß, kein Abendessen oder kein Frühstück zu buchen, weil er vielleicht schlicht und einfach nicht das Geld hatte, um die teuren Hüttenpreise zu bezahlen, durfte nicht einmal am selben Tisch wie wir bzw. überhaupt im Gastraum sitzen. Da das hier ja eigentlich ein positiver Bericht unserer tollen Reise werden soll, dazu nun genug. Wir werden aber in jedem Fall noch den Österreichischen Alpenverein kontaktieren und uns über den Herrn Gottfried und seine unmögliche Politik offiziell beschweren.
Trotz Ärger über Gottfried nahmen wir einen Tipp dann doch wahr: Am nächsten Morgen aufstehen für den Sonnenaufgang. Der Gipfel des Glungezer (2677m) ist in fünfzehn Minuten von der Hütte zu erreichen (Jedenfalls wenn man den direkten Weg nimmt - so wie wir ... ähm ... nicht. Ups.) und bot einen absolut traumhaften Blick über die Tuxer Alpen. Auch wettertechnisch war uns der Tag wie so oft mal wieder wohlgesonnen und bescherte uns ein beeindruckendes rot-oranges Farbenspiel. Nach fleißigem Selfie-Geknipse und dem Versuch, die Hände so vor den Selbstauslöser der Kamera zu halten, dass die Sonne direkt im Herzchen zwischen den Fingern zu erkennen war, der beim etwa 97. Mal gelang, ging es dann wieder zurück auf die Hütte zum Frühstück. (Und nein, man kann die Kamera nicht festhalten, wenn man so ein Bild machen will. Nein, man kann auch den Bildschirm nicht richtig sehen. Alles morgens um halb sieben auf dem Berggipfel ausprobiert.)
Nach diesem phänomenalen Start in den Tag wartete dann eine noch phänomenalere Tour auf uns, die auf jeden Fall eine der schönsten, wenn nicht sogar DIE schönste Etappe der gesamten Strecke ist. Die "Seven Tuxer Summits", die wir an diesem Tag einsammelten, sind eine Gipfelkette, die zurecht als eines der Highlights der Region angepriesen wird und bei Bergfreunden weit über das Inntal hinaus bekannt ist. Bis auf die Naviser Sonnenspitze (die auch bei wieder einmal 10 Stunden Gehzeit wirklich nicht mehr drin gewesen wäre) lagen die alle auf unserem Weg - einfach phänomenal. Die Strecke ist Hochgebirge, so wie wir es lieben. Keine nervigen Wälder/Sträucher/Kühe/Fliegeviecher/Touristen, stattdessen schroffe Felsen soweit das Auge reicht und eine Atmosphäre, die es nirgendwo sonst gibt. (Wer sich jetzt denkt "Hä, was ist denn bei denen kaputt?" sollte am besten sofort, sofern vorhanden, seine Wanderschuhe einpacken und sich mit seinen sieben Sachen auf in die Berge machen ;-)). Mehr als noch weitere drei Seiten, die wir über diese Tour füllen könnten, sagen aber in jedem Fall unsere Fotos - und wenn ihr euch fragt, was wir da machen: Wir zählen die Gipfel! Denn auch für Bergfans wie uns sind sechs Gipfel an einem Tag doch etwas ganz Besonderes.
Nach der Gipfel-Sammlerei warteten dann immer noch drei Stunden Gehzeit durch das militärische Sperrgebiet auf uns. Oooooooh - werden einige von euch sich jetzt denken. Nöööö - keine Sorge. Hier liegen weder Handgranaten noch Sprengfallen - das Gebiet ist einfach nur für Übungen des österreichischen Militärs reserviert, sodass man sich zu bestimmten Zeiten gar nicht und generell nicht abseits der Wege dort aufhalten darf. In unserer lebenslangen Bergerfahrung ist uns so eine Übung noch nie untergekommen. Wie wir später auf der Lizumer Hütte erfahren haben, kommt das aber doch regelmäßig vor und ist dann nicht ganz so lustig: Wer nicht bis 10 Uhr den Kontrollpunkt passiert hat, muss auf der Hütte bleiben und darf dann beobachten, wie das Militär mit Panzern und Granaten im hohen Bogen über die Hütte schießt. In unserem Fall verhielt sich das Gebiet allerdings außerordentlich friedlich und idyllisch und ein Stück vor der Lizumer Hütte begegneten wir zahlreichen Murmeltierfamilien. Die waren übrigens überhaupt nicht scheu, sondern eher neugierig - die großen, dicken, rot-braunen wirkten sogar eher verärgert, dass wir durch ihren Garten spazierten und knurrten uns böse an. Dann erreichten wir endlich die wunderschöne Lizumer Hütte und gönnten uns zur Feier dieser großartigen Tour mal eine Halbpension, die ihr Geld absolut wert war.
Die einzige schlechte Nachricht des Tages: Für den nächsten Tag wurden schon ab dem frühen Nachmittag Gewitter erwartet. Auf zeitgenaue Wettervorhersagen kann man sich vor allem in den Bergen zwar nicht unbedingt verlassen, mitten in einem Gewitter an einer Scharte zu stehen (dererlei wir an dem Tag gleich zwei hatten) ist allerdings ein denkbar schlechtes Szenario. Aus dem ursprünglichen Plan, angesichts der nur sechseinhalb geplanten Stunden Gehzeit am nächsten Tag mal ein klein bisschen "auszuschlafen", wurde also wieder einmal nichts. Stattdessen legten wir im wahrsten Sinne des Wortes eine Sprintetappe ein und spurteten in etwa fünf statt der angegebenen sechseinhalb Stunden über das Geierjoch und den Geschützspitz-Sattel zum Tuxer-Joch-Haus, das uns nach der ganzen Hetzerei mit einem Wintergarten mit spektakulärem Blick auf den Hintertuxer Gletscher erwartete. So phänomenal die Lage, so bedrückend war beim genaueren Hinsehen allerdings der Ausblick. Wir sind beide keine Freunde von Verschwörungs-Paniktheorien - aber mit Blick auf diesen einst riesigen und majestätischen Gletscher, von dem nur noch ein trauriger Rest übrig ist, verziert mit metallenen Liftstützen und Bahnen, die im Fels stehen und keinen Schnee mehr erreichen (obwohl der Hintertuxer Gletscher ein Ganzjahres-Skigebiet ist), drängt sich unweigerlich das beklemmende Gefühl auf: Nein, liebe Menschheit, das sollte so nicht sein!
Trotz nachdenklicher Stimmung beim Blick nach draußen genossen wir den halben freien Tag, den uns unser Sprint durch die Berge beschert hatte, bei heißer Schokolade und mit der weiteren Tourenplanung. Das Gewitter kam dann übrigens abends um elf. Ah ja. Schönen Dank auch.
Wie unsere Tour in den Zillertaler Alpen weiterging, erfahrt ihr im nächsten Teil.
Julia & Jörn
| Sonnenaufgang auf dem Glungezer (2646m), 31. Juli 2015 |
Wie es jegliche Aktivitäten, die mit irgendeiner Form von Pause und Ausruhen zu tun haben, so an sich haben, ging auch unser wunderschöner Pausentag auf dem gemütlichen Hallerangerhaus dank guter Gespräche mit Hüttenwirt Thomas und Aushilfe Laura und stapelweise Bergsteiger-Magazinen viel zu schnell vorbei und am nächsten Tag erinnerte uns unser Wecker schon zu früher Stunde daran: "Hallo, heute müsst ihr weiter!" Etwas Eile war dann tatsächlich geboten, denn nachdem Jörns Wanderhose nach einem Ausrutscher auf dem Geröllfeld erst ein kleineres Loch, das sich dann zu einem 20 Zentimeter langen Riss ausdehnte, vorzuweisen hatte und wir außerdem unser Kamera-Ladegerät verbummelt hatten, musste noch genügend Zeitvorsprung für eine kleine Shoppingtour in Hall übrig bleiben. Dank kurzem Sprint über die ersten Höhenmeter des Tages hoch zur Scharte kurz hinter dem Hallerangerhaus und einem erneuten Downhill-Jogging-Trip die Schotterwege auf der anderen Seite hinunter klappte das auch tatsächlich. Jetzt wussten wir auch, wie man die Zeiten im Wanderführer erreichen kann: Einfach mal rennen! Es kam, wie es kommen musste. Angekommen an der Bushaltestelle, an der der Bus uns nach Hall hinein hätte bringen sollten, stellten wir fest: Der Bus kommt immer zu vollen Stunde. Nur nicht um 11. Es war Punkt 11. Willkommen in der Zivilisation. Nachdem wir uns zu Fuß Richtung Haller Innenstadt aufgemacht und schon fast unseren Glauben in das Gute im Menschen verloren hatten, reagierte dann doch ein netter Österreicher auf unsere Anhalter-Versuche und nahm uns das letzte Stück des Weges bis in die Stadt mit.
| Hall in Tirol, 30. Juli 2015 |
Hall ist ein wirklich süßes Städtchen in der Nähe von Innsbruck mit malerischer Altstadt, kleinen Gässchen und toller Atmosphäre. Ein passendes Ladegerät für die Videokamera zu finden, gelang uns leider nicht (an dieser Stelle ein Dank an Panasonic, dass ausnahmlos keins der angebotenen Universalladegeräte passte - suuuuper!), aber eine Hose für Jörn konnten wir ergattern. Der unfassbar nette Besitzer Heinz von xxxxx konnte mit Blick auf Jörns Schuhe und dessen Blasen dann vermutlich aus Gewissensgründen und weil er einfach ein sehr netter Mensch ist, nicht anders, als dieses Problem kurzerhand zu beheben. Fix an den Einlagen von Jörns Schuhen herumgeschnipselt, mit nagelneuen Scarpa-Einlagen ausgestattet und schon war ein ganz neues Fuß-Gefühl da. Was er dafür bekomme? Gar nichts. Wow! (Eins hat er doch bekommen: Nämlich eine Postkarte aus Venedig, die es uns angesichts dieser Wahnsinns-Freundlichkeit mehr als wert war.)
Aus Hall ging es dann mit dem Bus nach Tulfes und mit dem Sessellift hoch zum Beginn des Weges zur Glungezer Hütte. Mooooooment, werdet ihr jetzt sagen. Bus? Lift? Hallo?
Dazu kurz eine kleine Grundsatzentscheidung der Prä-Alpenüberquerungs-Überlegungen: Ja, wir wollten alles laufen. An einigen Stellen machte das aber schlicht und einfach keinen Sinn, so wie hier. Um Bus und Lift zu vermeiden, hätten wir einen zusätzlichen Tag einplanen und an diesem über 2000 Höhenmeter ausschließlich auf Forstwegen zurücklegen müssen. Das war für uns nicht der Sinn unserer Tour und auch der Wanderführer sah in der Normalroute explizit Bus und Lift vor. Das war auf der gesamten Tour insgesamt drei Mal der Fall und an diesen Stellen sind wir den Empfehlungen des Wanderführers auch gefolgt. Einfach mit der Bahn gefahren, weil wir zu faul waren, sind wir allerdings nie!
Ein schönes Detail an dieser Stelle (wieder einen herzlichen Dank an die Präzision des Wanderführers) war auch, dass der Sessellift im Buch als "Bahn" bezeichnet war. Bahn = Seilbahn dachten wir uns und freuten uns auf eine gemütliche Fahrt. Tatsächlich waren die "Bahn" ein 2er- und ein 1er-Sessellift, gefühltes Baujahr 1957, die uns eher klapprig und zuletzt durch dichten Nebel nach oben brachten. Für alle Höhenangst-Geplagten in unserer kleinen Wandergruppe also eher ein zweifelhaftes Vergnügen. Von der Bergstation ging es dann nochmal knackige 600 Höhenmeter nach oben. Wie so oft bei Regen (den wir auf unserer Tour zum Glück überhaupt nicht oft hatten) galt auch hier: Eigentlich ein sehr sehr schöner Weg - wäre da nicht der dichte Nebel gewesen, der den halben Berg verschluckte und uns und sämtliche Klamotten so wunderschön klamm werden ließ. Zum Glück hatten wir dann doch relativ bald die toll gelegene Glungezer Hütte auf 2610 Metern erreicht.
| Glungezer-Bahn, 30. Juli 2015 |
| Kurz vor der Glungezer Hütte, 30. Juli 2015 |
Trotz Ärger über Gottfried nahmen wir einen Tipp dann doch wahr: Am nächsten Morgen aufstehen für den Sonnenaufgang. Der Gipfel des Glungezer (2677m) ist in fünfzehn Minuten von der Hütte zu erreichen (Jedenfalls wenn man den direkten Weg nimmt - so wie wir ... ähm ... nicht. Ups.) und bot einen absolut traumhaften Blick über die Tuxer Alpen. Auch wettertechnisch war uns der Tag wie so oft mal wieder wohlgesonnen und bescherte uns ein beeindruckendes rot-oranges Farbenspiel. Nach fleißigem Selfie-Geknipse und dem Versuch, die Hände so vor den Selbstauslöser der Kamera zu halten, dass die Sonne direkt im Herzchen zwischen den Fingern zu erkennen war, der beim etwa 97. Mal gelang, ging es dann wieder zurück auf die Hütte zum Frühstück. (Und nein, man kann die Kamera nicht festhalten, wenn man so ein Bild machen will. Nein, man kann auch den Bildschirm nicht richtig sehen. Alles morgens um halb sieben auf dem Berggipfel ausprobiert.)
| Sonnenaufgang auf dem Glungezer (2646m), 31. Juli 2015 |
| Sonnenaufgang auf dem Glungezer (2646m), 31. Juli 2015 |
| Glungezer (2646m), 31. Juli 2015 |
| Gamslahnerspitze (2681m), 31. Juli 2015 |
| Kreuzspitze (2746m), 31. Juli 2015 |
| Zwischen Kreuzspitze und Rosenjoch, 31. Juli 2015 |
| Rosenjoch (2796m), 31. Juli 2015 |
| Grünbergspitze (2790m), 31. Juli 2015 |
| Grafmartspitze (2720m), 31. Juli 2015 |
Nach der Gipfel-Sammlerei warteten dann immer noch drei Stunden Gehzeit durch das militärische Sperrgebiet auf uns. Oooooooh - werden einige von euch sich jetzt denken. Nöööö - keine Sorge. Hier liegen weder Handgranaten noch Sprengfallen - das Gebiet ist einfach nur für Übungen des österreichischen Militärs reserviert, sodass man sich zu bestimmten Zeiten gar nicht und generell nicht abseits der Wege dort aufhalten darf. In unserer lebenslangen Bergerfahrung ist uns so eine Übung noch nie untergekommen. Wie wir später auf der Lizumer Hütte erfahren haben, kommt das aber doch regelmäßig vor und ist dann nicht ganz so lustig: Wer nicht bis 10 Uhr den Kontrollpunkt passiert hat, muss auf der Hütte bleiben und darf dann beobachten, wie das Militär mit Panzern und Granaten im hohen Bogen über die Hütte schießt. In unserem Fall verhielt sich das Gebiet allerdings außerordentlich friedlich und idyllisch und ein Stück vor der Lizumer Hütte begegneten wir zahlreichen Murmeltierfamilien. Die waren übrigens überhaupt nicht scheu, sondern eher neugierig - die großen, dicken, rot-braunen wirkten sogar eher verärgert, dass wir durch ihren Garten spazierten und knurrten uns böse an. Dann erreichten wir endlich die wunderschöne Lizumer Hütte und gönnten uns zur Feier dieser großartigen Tour mal eine Halbpension, die ihr Geld absolut wert war.
| Ein neugieriges Murmeltier kurz vor der Lizumer Hütte, 31. Juli 2015 |
Die einzige schlechte Nachricht des Tages: Für den nächsten Tag wurden schon ab dem frühen Nachmittag Gewitter erwartet. Auf zeitgenaue Wettervorhersagen kann man sich vor allem in den Bergen zwar nicht unbedingt verlassen, mitten in einem Gewitter an einer Scharte zu stehen (dererlei wir an dem Tag gleich zwei hatten) ist allerdings ein denkbar schlechtes Szenario. Aus dem ursprünglichen Plan, angesichts der nur sechseinhalb geplanten Stunden Gehzeit am nächsten Tag mal ein klein bisschen "auszuschlafen", wurde also wieder einmal nichts. Stattdessen legten wir im wahrsten Sinne des Wortes eine Sprintetappe ein und spurteten in etwa fünf statt der angegebenen sechseinhalb Stunden über das Geierjoch und den Geschützspitz-Sattel zum Tuxer-Joch-Haus, das uns nach der ganzen Hetzerei mit einem Wintergarten mit spektakulärem Blick auf den Hintertuxer Gletscher erwartete. So phänomenal die Lage, so bedrückend war beim genaueren Hinsehen allerdings der Ausblick. Wir sind beide keine Freunde von Verschwörungs-Paniktheorien - aber mit Blick auf diesen einst riesigen und majestätischen Gletscher, von dem nur noch ein trauriger Rest übrig ist, verziert mit metallenen Liftstützen und Bahnen, die im Fels stehen und keinen Schnee mehr erreichen (obwohl der Hintertuxer Gletscher ein Ganzjahres-Skigebiet ist), drängt sich unweigerlich das beklemmende Gefühl auf: Nein, liebe Menschheit, das sollte so nicht sein!
| Danke für den Hinweis! Lizumer Hütte, 1. August 2015 |
| Aufstieg zum Geierjoch (2743m), 1. August 2015 |
| Blick auf den Hintertuxer Gletscher, 1. August 2015 |
Wie unsere Tour in den Zillertaler Alpen weiterging, erfahrt ihr im nächsten Teil.
Julia & Jörn
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